Die ökologische Krise (Klimawandel, Biodiversitätsverlust u.a.) gehört zu den zentralen Herausforderungen der Gegenwartsgesellschaft. Auch politische Leitlinien und Gesetze fordern daher verstärkt Prozesse nachhaltiger Entwicklung, die alle Akteure einschließen und kooperatives Handeln als wichtige Gelingensbedingung verstehen. In Deutschland hat Hessen als erstes Bundesland in der Verfassung Nachhaltigkeit als Handlungsziel von Gemeinden und Gemeindeverbänden aufgenommen, um die Interessen zukünftiger Generationen zu wahren (Artikel 26c).
Das „Haus der Nachhaltigkeit“ (HdN) will bestehende Initiativen in der Region Gießen unterstützen und weitere Prozesse nachhaltiger Entwicklung initiieren und fördern. Dazu bringt es verschiedene Akteursgruppen zusammen: Bürger*innen, Kommunen, Non-Profit-Organisationen, Unternehmen, kulturelle Einrichtungen und Hochschulen (JLU und THM).
Das HdN will zu einem öffentlichen Gesprächsklima des Dialogs beitragen, zu einer positiv erfahrbaren Kultur der Nachhaltigkeit, die den nötigen Wandel attraktiv macht, Interesse weckt und die Offenheit für Lernprozesse steigert. Im Rahmen neuer Allianzen sollen unterschiedliche Perspektiven diskutiert und Problemlösungen in verschiedenen Lebensbereichen erprobt werden (Ernährung, Mobilität, Kleidung, Wohnen, Freizeit, Beruf u.a.). Individuelle Handlungspraktiken finden ebenso Platz wie wirtschaftliche und technische Lösungen. Nicht zuletzt sollen die Potentiale der Hochschulen (Wissenstransfer) durch eine Verstärkung der Brücken in die Stadtgesellschaft genutzt werden.
Entwurf von THM-Studierenden: Augustiniok, Degen, Frank, Stadtmüller, Yilmaz, Yenen
Entstanden ist dieses Projekt als Lehrforschungsprojekt der Studierenden des BA Social Sciences im Sommersemester 2021.
Erfahre hier mehr über die Entstehungsgeschichte des Hauses der Nachhaltigkeit, den bisherigen Prozess, Schwierigkeiten und Erfolge.
1.: Sichtbarkeit und Öffentlichkeitsarbeit
2.: (Weiter-)Bildung, Beratung, Qualifizierung
3.: Kommunikation, Dialog, Partizipation, Vernetzung und Kooperation
4.: Selbstwirksamkeit, Erfahrbarkeit und die Kulturen der Nachhaltigkeit
5.: Innovationen, Experimente, Ausprobieren
6.: Wissenstransfer und Wissenschaftskommunikation
Es ist ein Ort, der Kulturen der Nachhaltigkeit sichtbar und erlebbar macht und sich im Zusammenwirken der Akteure entwickelt.
Nachhaltige Entwicklung bedeutet im „Haus der Nachhaltigkeit“ die Kultivierung von Handlungsweisen, die die Begrenztheit der natürlichen Ressourcen, die ungerechten Verhältnisse auf globaler, sozialer Ebene sowie den Einfluss und die Rolle der Wirtschaft auf und für Ressourcenbeschaffung und -nutzung nicht nur mitdenkt, sondern auch positiv verändert.
3-Säulen-Modell & Nachhaltigkeitsstrategien
Das HdN geht mit der „Einsicht, dass ökonomische, soziale und ökologische Entwicklung nicht voneinander abgespalten und gegeneinander ausgespielt werden dürfen“ (zit. n. SRU, Kleine, 2009, S.5), wenn es um Nachhaltige Entwicklung geht. Diese Erkenntnis wird allgemein als „Drei-Säulen-Modell“ (Ökonomie, Ökologie, Soziales) bezeichnet und bildet die Grundlage vieler Nachhaltigkeitsdefinitionen (Kleine, 2009, S. 5).
Nicht ungeachtet bleiben bei dieser Anerkennung jene Weiterentwicklungen des „3-Säulen-Modells“, welche die planetaren Grenzen stärker gewichten und zunehmend als Rahmenbedingungen verstehen (Kleine, 2009, S. 59), denn auch das HdN folgt der Grundidee Ressourcenverbräuche abzusenken.
Ganz in diesem Sinne ist es hervorzuheben, dass die Nachhaltigkeitsstrategie zur Suffizienz, also der Kultivierung einsparenden Handelns, im HdN als die grundlegende Strategie gilt. Wichtig ist zu betonen, dass es auf die Synthese der drei Nachhaltigkeitsstrategien Suffizienz, Effizienz und Konsistenz ankommt, um ein tragfähiges Modell für zukünftiges (wirtschaftliches) Handeln zu etablieren, weshalb das Gemeinschaftsprojekt HdN neben der Suffizienz auch die Strategien für rentable (Effizienz) und verstärkt kreislauf-orientierte (Konsistenz) Produktionsprozesse berücksichtigt (Böcker et al., 2021, S. 12).
17 UN-Sustainable Development Goals
Die „17 Sustainable Development Goals“ (kurz: SDGs) der United Nations bilden in ihrer Komplexität das Leitbild für das HdN, d.h. dass erzielte Erfolge stets auch der Erreichung der 17 Nachhaltigkeitsziele dienlich sein sollen.
Besonders relevant ist das 17. Ziel der SDGs – „Partnerschaften zur Erreichung der Ziele“. Auf verschiedenen Ebenen baut ein umfassender Wandel darauf, gute Partnerschaften, ein gutes Miteinander aufzubauen. Initiativen untereinander sowie in der Zusammenarbeit mit Akteuren auf politischer Steuerungsebene, aber auch Menschen und Gesellschaften müssen sich bezüglich deren Beziehung zur Erde als eine Gemeinschaft erkennen.
Das Haus der Nachhaltigkeit hat viele Gesichter. Es gibt nicht nur eine oder zwei Personen die das Projekt ausmachen, nein, jede*r Beteiligte trägt zum Entstehen bei. Mit jeder*m neuen AkteurIn entwickelt es sich weiter. Es ist kein geschlossener Raum sondern die Verkörperung eines Prozesses.
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